Halloween#

Halloween

Das Fest, an dem sich die Geister scheiden, wird seit langem in den USA - mit Kürbis-Dekorationen, Parties und maskierten Heischegängen gefeiert. Durch die Vermittlung von Massenmedien und Internet kam es nach Österreich. Allerdings gab es Vorläufer: Das Aushöhlen von Rüben und Kürbissen, in die man eine Kerze stellte, kannte schon die Großeltern-Generation als Kinderbrauch. 1957 kündigte die Programmzeitschrift "Radio Österreich" eine Bastelsendung zu Halloween an. Anfang der neunziger Jahre fand eine Tiroler Schokoladenfirma in Österreich (noch) keinen Markt für Halloween-Näschereien. 

Jetzt aber profitieren die Produzenten von Süßwaren, die zwischen der Schultüte und Nikolaus-Weihnachten noch einen Absatzhöhepunkt erreichen. Inzwischen kennt auch hier jedes Kind den Spruch “Trick or treat”. Die österreichische Variante nennt sich "Süßes oder Saures" bzw. “Schokolade oder Schabernack”. Wer dem Heischebrauch nicht entspricht, muss mit boshaften Sachbeschädigungen - wie Verschmieren von Häusern und Windschutzscheiben mit rohen Eiern - rechnen. 

Die kommerziellen Motive des Brauch-Imports zeigte 1997 ein Flugblatt der Kaufleute in Wien-Döbling: “Hallo Wien – Halloween, Wien beleben in toter Zeit”. Die Geschäftsleute wurden eingeladen, sich an einer Aktion zu beteiligen, “die Aufmerksamkeit, Aktivität und Kauflust der Kunden anregen wird.” Innerhalb weniger Jahre zeigte dieses Bemühen Erfolg. In allen Bundesländern gibt es inzwischen Halloween-Parties. Bevorzugte Kostüme sind Totengerippe, Hexen, Zauberer, Vampire und andere Horrorgestalten, wie man sie meist aus Filmen kennt. Bekannte Veranstaltungsorte in Wien sind das "Bermudadreieck" in der Innenstadt und der Baumkreis "Am Himmel" in Döbling. 

Eine Erklärung von Halloween verweist auf den Vorabend des Allerheiligenfestes ("All Hallows Evening"), das die katholische Kirche im 9. Jahrhundert einführte. Eine andere populäre Antwort auf die Ursprungsfrage bezieht sich auf das keltische Fest "Samhain", das am Abend des 31. Oktober als Sommerende auf den Britischen Inseln gefeiert wurde. In dieser Nacht soll es den Lebenden möglich gewesen sein, mit den Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. In Irland hätte man ausgehöhlte, beleuchtete Rüben aufgestellt, um die Geister fernzuhalten und aus Angst Besuche gemacht. Als die Römer die Britischen Inseln eroberten, entstand eine Kombination aus deren Totenfest und Samhain. 

Iren, die im 19. Jahrhundert auswanderten, brachten den Brauch nach Amerika. Anstelle von Rüben verwendeten sie dort ausgehöhlte Kürbisse, in die man Kerzen stellte. Um 1900 war Halloween in den USA eine gefürchtete Nacht der Zerstörung, in der auch Personen und Tiere verletzt wurden. Die Pfadfinder und andere Organisationen versuchten, dies einzudämmen. Kinder gingen nun heischen, statt Schabernack zu treiben. Um 1930 war die "beggars night" (Bettlernacht) und der Spruch "Trick or treat" allgemein bekannt.


Quellen: Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 252 f.

Bild: Halloween beim Baumkreis "Am Himmel", Wien 19. Foto: Alfred Wolf, 2001

« Diese Seite wurde am Donnerstag, 17. September 2009, 16:23 von Volkskunde erstellt, zuletzt geändert am Freitag, 12. März 2010, 04:11 von Diem Peter (Version 10).  
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